Ungerechtigkeit gegenüber Frauen in der Odyssee und heute

March 30, 2026

«Telemach meinte aber, dass die Mägde den sauberen Tod durch das Schwert gar nicht verdient hätten.»


Die von Homer geschriebene Odyssee ist ein prominentes Beispiel der altgriechischen Patriarchie, dessen Mythologie nur so durchzogen von misogynen Vorstellungen und Bildern der Frauen ist. Da sie sich Hand in Hand weiterentwickelt haben, gibt es sehr viele Ähnlichkeiten. Diese stammen natürlich auch davon, dass die Geschichten der Odyssee lediglich eine Sammlung der damaligen politischen Meinungen war. Daher kann man viele Parallelen zwischen der Odyssee und der Patriarchie ziehen. In etwa die Herunterstellung von Frauen und die Suche nach Bestätigung als König.

Die patriarchale Art, Frauen ungerechten Beschuldigungen und Doppelmoralen zu unterwerfen, ist auch ersichtlich in der Textstelle: «Telemach meinte aber, dass die Mägde den sauberen Tod durch das Schwert gar nicht verdient hätten.» (S.175). Sie erweist die Empfindungen, dass Frauen jemandem gehörten und, da diese zwölf Mägde der Familie Odysseus ‘untreu’ gewesen waren, dieser das Recht hatte, sie rücksichtslos zu ermorden, obwohl er zuvor zwei Freier gnadenvoll leben gelassen hatte.

Heute hat das Problem der Ungleichheit der Geschlechter deutliche Fortschritte gemacht, es existieren jedoch immernoch viele Aspekte, die sich noch zu verbessern haben. Beispielsweise in der Schweiz im Unterschied des Lohns zwischen Mann und Frau, der durchschnittsweise 16.2% beträgt (so das Eidgenössische Büro für Gleichstellung von Frau und Mann EBG).

Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in vielen anderen Ländern weltweit sieht man sogar einen Rückschritt in den Frauenrechten. Ein markantes Beispiel ist die Aufhebung des Abtreibungsschutzes der Vereinigten Staaten im Jahr 2022, was dazu führte, dass aktuell in 23 Staaten Abtreibungen als ganz oder sehr bedingt verboten gelten. Dies ist ein direkter Angriff an die Rechte der dort lebenden Frauen, da ihnen so die Optionen direkt weggenommen werden.

Dies alles ist natürlich ganz zu schweigen von geschlechtsspezifischen Gewalt, beispielsweise Femizid, von dessen in 2024 50'000 Fälle von Partern oder Verwandten begangen wurden. Hier kann man eine direkte Parallele zur Odyssee ziehen, wo die Mägde, nur weil sie Frauen waren, absichtlich einem schlimmeren Tod als die Freier unterworfen wurden.

Abschliessend finde ich, dass, obwohl die Odyssee etwas veraltet ist, man leider manche Muster der Frauenfeindlichkeit deutlich wiedererkennen kann. Aus einer modernen Sicht kann man daraus lernen, wie Frauen schon seit sehr langer Zeit oft von Männern unterdrückt wurden. Statt jedoch nur in die Vergangenheit zu blicken, sollte die heutige Gesellschaft für Gleichberechtigung der Geschlechter kämpfen und jeder ‘kleinen’ Ungerechtheit oder Doppelmoral Wichtigkeit schenken, denn wir können nur das Problem beheben indem wir selbst etwas dagegen unternehmen.